„Es ist mein Job, Bücher zu machen, die begeistern”: Anna Louisa Duckwitz über ihre Arbeit im Verlag

Zwischen Konzept, Redaktion und Produktion: Als Projektleiterin hält Duckwitz alle Fäden zusammen (Foto: Carsten Vogel).

Von Neele Henkler und Anastasia Ort.

Bücher, die begeistern sollen – dieses Ziel treibt Anna Louisa Duckwitz als Lektorin und Projektleiterin beim Hölker Verlag an. Seit 2022 ist sie bei diesem Imprint des münsterischen Coppenrath Verlags dafür verantwortlich, Projekte von der Idee bis hin zum fertigen Produkt zu begleiten. Zum Verlagsprogramm zählen hochwertige Kochbücher wie zum Beispiel Das Grusel-Kochbuch von Silke Martin und Christina Bumann. Darin verbindet Duckwitz als Lektorin ihre Liebe zu Klassikern der Weltliteratur mit kreativen Rezeptideen wie Frankensteins Lebenselixier oder Die Suppe mit den zwei Gesichtern. Dabei werden die Rezepte mit Textausschnitten der literarischen Vorlage aufbereitet.

Wie viel Herzblut in die einzelnen Projekte fließt, verdeutlicht Duckwitz gleich zu Beginn ihres Vortrags: „Hinter jedem Buch stecken Menschen, die sich sehr viele Gedanken über die Auswahl und Gestaltung gemacht haben.” Ihr Berufsalltag ist alles andere als eintönig: „Bei mir ist kein Tag wie der andere. Ich recherchiere zu Lizenzfragen und betreue Autor:innen, aber bespreche und diskutiere auch die farbliche Gestaltung von Buchcovern.” Als Projektleiterin hält sie alle Fäden zusammen und sorgt dafür, dass das fertige Produkt rechtzeitig in der Buchhandlung steht. Außerdem ist sie regelmäßig auf Buchmessen im In- und Ausland unterwegs, um nach neuen Autor:innen und Projekten Ausschau zu halten. 

Geschenkbücher – spannender als gedacht?

Während des Bachelorstudiums der Germanistik und Anglistik/Amerikanistik wurde Duckwitz schnell klar, dass sie der Beruf der Lehrerin nicht erfüllen würde. Deshalb sammelte sie bereits neben ihrem Studium viele praktische Erfahrungen. Duckwitz’ Laufbahn beim Coppenrath Verlag begann 2018 mit einem Praktikum. „Die Atmosphäre dort begeisterte mich sofort. Der Coppenrath Verlag ist ganz bunt, riesig und voller Bücher und Kuriositäten”, sagt sie. Nach dem Praktikum wurde ihr ein Volontariat angeboten, für das sie in kurzer Zeit ihr Masterstudium der Kulturpoetik an der Universität Münster abschließen musste. Das gelang ihr glücklicherweise, sodass sie 2020 tatsächlich als Volontärin startete und anschließend als fest angestellte Lektorin im Bereich Geschenkbücher übernommen wurde. 

„Mit Geschenkbüchern konnte ich erst wenig anfangen”, sagt Duckwitz lachend. Aber die Möglichkeit, Menschen damit eine Freude zu machen, überzeugte sie schließlich. Zu diesem Programmbereich gehören auch aufwendig gestaltete Schmuckausgaben berühmter Werke der Weltliteratur. Als großer Fan der BBC-Serie Sherlock ist Duckwitz besonders stolz darauf, maßgeblich an der Schmuckausgabe aller Sherlock-Holmes-Bücher von Arthur Conan Doyle mitgewirkt zu haben. „Beim Anblick aller bisherigen Ausgaben war klar: Das können wir schöner machen!” Für die insgesamt acht Bände schrieb sie nicht nur die Klappentexte, sondern arbeitete auch am Gesamtkonzept mit. Die Ausgaben verbinden Originalgeschichten mit aufwendigen Illustrationen und zahlreichen losen Extras, wie zum Beispiel einer Übersicht der Flora und Fauna des Dartmoors in Holmes’ berühmtestem Fall Der Hund der Baskervilles.

Die Arbeit an den Sherlock-Holmes-Schmuckausgaben hat Duckwitz besonders viel Freude bereitet (Foto: Carsten Vogel).

Mit Sherlock Holmes erfolgreich durch den Alltag 

Für das Engagement erhielten Duckwitz und ihr Team 2024 den „Blauen Karfunkel” – einen jährlich verliehenen, nach einer Kurzgeschichte Doyles benannten Preis der Sherlock-Holmes-Gesellschaft. Obwohl sie sich über ihre neuen Aufgaben als Projektleiterin im Hölker Verlag gefreut hat, vermisst sie die Schmuckausgaben doch hin und wieder. Der berühmte Meisterdetektiv begleitet sie im Arbeitsalltag weiterhin: „Bei der Suche nach Lizenzrechten muss ich häufig selbst detektivisch arbeiten. Das heißt, ich muss herausfinden, wer die Rechte an einem Text besitzt. Da wird man selbst zum Sherlock Holmes.“