Sabine Frilling: Zwischen Wissenschaft und Kreativität

Sabine Frilling. (Foto: Corinna Wolters)
Sabine Frilling. (Foto: Corinna Wolters)

Von Laura Kindler.

Kindheitstraum Lektor*in? – Nicht für Sabine Frilling. Ihr Interesse für dieses Berufsfeld entwickelte sich erst später. Zunächst studierte Frilling Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft in Münster mit anschließender sprachwissenschaftlicher Promotion. Darauf folgten sechs Jahre Arbeit als wissenschaftliche Assistentin in der Sprachdidaktik an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Dort traf sie auf Kolleg*innen, die als Herausgeber*innen oder Autor*innen im Schulbuchsektor tätig waren. Das weckte Frillings Interesse für das Verlagswesen.


Mit dem Flugzeug zum Vorstellungsgespräch


Zu der Zeit suchte der Moritz Diesterweg Verlag in Frankfurt am Main eine Redakteurin für ein neues Schulbuch. Frilling nutzte die Gunst der Stunde, bewarb sich und wurde zum Vorstellungsgespräch sogar eingeflogen. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, erzählt sie lachend. Schließlich bekam sie die Stelle – ohne jemals ein Praktikum in einem Verlag oder gar ein Volontariat absolviert zu haben.

Wie kam Frilling trotzdem an den Job? Sie stellte in ihrer Bewerbung drei wesentliche Faktoren heraus: zum ersten ihr Fachwissen in den Bereichen Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik, zum zweiten die praktische Schulerfahrung, die sie während ihrer Tätigkeit an der Universität Kiel sammelte. Dort begleitete sie Student*innen bei ihren Schulpraktika. Zum dritten redigierte Frilling bereits während ihres Studiums in Münster als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft Manuskripte. In dieser Zeit gab sie zudem mit drei Kommiliton*innen einen Kongressband heraus, sodass sie weitere Erfahrungen im Lektorieren und Redigieren von Texten sammeln konnte. „Ich glaube, dass ich diesen Job im Verlag bekommen habe, weil ich wissenschaftlich sowohl in der Linguistik als auch in der Sprachdidaktik gearbeitet habe. Ich habe nicht nur studiert, sondern eben auch publiziert. So jemanden brauchten die, um das Projekt fachlich auf Linie zu halten.“

Vielfältige Fähigkeiten benötigt


Die Arbeit im Verlag war vielfältig. Frillings Aufgaben gingen dabei weit über die klassischer Lektor*innen hinaus. Sie war vielmehr als Redakteurin tätig, was in ihrem Fall bedeutete, dass sie wie eine Managerin das gesamte Projekt steuerte und das Schulbuch mitentwickelte. „Ich habe die Arbeit unglaublich gern gemacht, weil es eben nicht nur Wissenschaft war oder Arbeit am Text. Eine Seite visuell ansprechend zu gestalten, ist eine kreative Arbeit, bei der etwas Schönes entsteht“.

Dabei sieht Frilling neben den grundlegenden Fähigkeiten als Redakteur*in und als Lektor*in vor allem Führungsstärke als notwendige Voraussetzung in diesem Berufsfeld. „Man braucht Autorität, denn man wirkt in einem Bereich, in dem Projekte abgewickelt werden, bei denen an den unterschiedlichsten Stellen die unterschiedlichsten Leute beteiligt sind.“ Sie betont in diesem Zusammenhang, dass soziale Fähigkeiten nicht zu unterschätzen seien. Es erfordere viel Verhandlungsgeschick, um mit den verschiedenen Akteur*innen wie unter anderem Herausgeber*innen, Autor*innen und Illustrator*innen zusammenzuarbeiten und auch einmal Kompromisse zu finden:  „Man ist als Redakteurin der punching ball, weil man die Stelle in dem Spinnennetz ist, an der alle Fäden zusammenlaufen. Deshalb bekommt man bei Problemen alles ab.“ Besonders einprägsam waren für Frilling die Autorenkonferenzen, bei denen es manchmal auch Unstimmigkeiten und Meinungsverschiedenheiten gab. „Die Arbeit mit einem Autorenteam ist grundsätzlich inspirierend, unter Umständen aber auch eine Herausforderung“, sagt sie.  Ein Stressfaktor ist dabei unter anderem der Zeitdruck, dem Redakteur*innen und Lektor*innen durch Abgabefristen ausgesetzt sind: „Man arbeitet sehr nach der Uhr“, berichtet Frilling, „denn wenn man das Projekt nicht rechtzeitig fertig bekommt, bricht der Umsatz gewaltig ein.“

Trotz der stressigen und nervenaufreibenden Zeit schwärmt sie von ihrer Tätigkeit im Verlag. „Oft dachte ich mir: Wie kann das sein, dass ich diese herrliche Arbeit machen darf und auch noch Geld dafür bekomme?” Nach all den Jahren als Studentin und Wissenschaftlerin empfand sie die kreative Arbeit als Redakteurin als „kolossal erholsam“.

Sprungbrett für Neues


Die Zeit beim Diesterweg-Verlag war der Grundstein für ihren weiteren Berufsweg. „Der Job war das Sprungbrett für das, was folgte.  Eine Tätigkeit qualifiziert immer für die nächste“, erklärt Frilling. Nach der Arbeit im Verlag war sie als Redakteurin für die sprachwissenschaftliche Fachzeitschrift Muttersprache tätig. Darauf folgte eine Stelle in einer PR Agentur.

Seit 2010 ist Frilling wieder zurück an der Universität Münster. Nun nicht mehr als Studentin, sondern als Lehrkraft für besondere Aufgaben in den Abteilungen Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik. Frilling betont, dass ihr Lebensweg keineswegs linear und einfach verlief. Doch letztlich blickt sie zufrieden auf die Vergangenheit zurück: „Ich habe alle meine Jobs gern gemacht!“

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