Julia Ditschke: Das freie Lektorat – eine Reise, die nie zu Ende ist

Julia Ditschke. (Foto: Carsten Vogel)
Julia Ditschke. (Foto: Carsten Vogel)

Von Katharina Reinecke.

Lektorin, Autorin, Projektmanagerin und Ghostwriterin: Julia Ditschkes Tätigkeitsfelder sind vielfältig. Viele Studierende der Germanistik lockt vor allem das Lektorat. Doch gerade das freiberufliche Lektorieren erfordert Leidenschaft und Durchhaltevermögen, um bei den Stolpersteinen auf diesem Berufsweg nicht ins Straucheln zu geraten.

Ditschkes beruflicher Werdegang beginnt mit einer Ausbildung zur Verlagskauffrau. Der Wunsch, vermehrt mit Texten statt kaufmännisch zu arbeiten, bringt sie anschließend zum Studium der Germanistik, Kommunikations- und Kulturwissenschaften an die WWU. Parallel dazu arbeitet sie als freie Mitarbeiterin in den Redaktionen der Rheinischen Post und der Westfälischen Nachrichten. Parallel zum Studium absolviert sie Praktika in Lektoraten von Verlagen. Nach Abschluss des Studiums (M.A.) folgt ein einjähriger Aufenthalt in Südamerika samt Praktikum am Goethe-Institut Conceptión in Chile.

Von der Reiselust zum Reisebuchverlag


„Manchmal handle ich blauäugig. Dann mache ich erst und anschließend denke ich nach“, gibt Ditschke zu. Die Begeisterung fürs Reisen und für Bücher gleichermaßen inspiriert sie nämlich 2007 zur Gründung des Goldfinch Verlags – ein Verlag speziell für Großbritannien-Reiseführer. Nun ist sie für alle Abteilungen selbst verantwortlich: Programmplanung, Autorenbetreuung, Lektorat, Vertrieb, Marketing, Pressearbeit und Herstellung. Für die Einstellung von Personal fehlen die finanziellen Mittel. Daher ist sie wieder mehr mit kaufmännischen Tätigkeiten beschäftigt als mit der Arbeit am Text. Unzufrieden mit der Situation entschließt sie sich 2010, den Verlag zu verkaufen. Er besteht heute in anderer Form, und hin und wieder lektoriert Julia Ditschke sogar ein Manuskript für ihn.

Was sind die Aufgaben einer freien Lektorin? Im Kern ist es die Textredaktion, manchmal, gehört auch das Projektmanagement dazu. Textredaktion und Ghostwriting können dabei mitunter fließend ineinander übergehen. Das Projektmanagement für Verlage umfasst neben der reinen Arbeit am Text vielfältige Aufgaben: die Autor*innenakquise, die Begleitung der Buchkonzeption, die Satzbetreuung bis hin zur Drucklegung und häufig auch das Verfassen von Marketingtexten. Man arbeitet meistens von zu Hause aus, dabei ist die Büroorganisation besonders wichtig: „Man braucht Sitzfleisch und muss gut mit sich selbst alleine sein können“. Lektor*innen arbeiten oft unter Druck, weil Abgabetermine eingehalten werden müssen. Da fallen auch schon mal Nachtschichten an.

„Kontakte, Kontakte, Kontakte!“


Ditschke arbeitet nicht nur mit fremden Texten, sondern schreibt auch eigene Bücher. So sind bereits drei Frauenunterhaltungsromane von ihr veröffentlicht worden. Erschienen sind sie unter dem Pseudonym Julia Kaufhold. Die Titel: „Löffelchenliebe“ (2013), „Sex and the Dorf“ (2015) und „All die schönen Tage“ (2018). „Wer weiß, was ich sonst noch ausprobiere. Die Reise geht in jedem Fall weiter“, sagt Ditschke.

Wenn man Lektor*in werden möchte, kann es hilfreich sein, in verschiedene Bereiche der Verlagsarbeit reinzuschnuppern, allein um die Kommunikationsfähigkeit zu fördern. Ditschke rät, unbedingt Praktika zu absolvieren, durchaus auch in kleinen Verlagen, denn dort ist es für Praktikant*innen oft eher möglich, selbst zu lektorieren. Auf diesem Wege sammelt man auch erste Referenzen. Ein guter Anfang ist es auch, Gutachten zu schreiben, also im Auftrag eines Verlags einen fremdsprachigen Text zu lesen, ihn zusammenzufassen und eine Empfehlung auszusprechen, ob er sich für die Veröffentlichung auf dem deutschen Markt eignet. Sie macht deutlich: „Es geht immer um Kontakte, Kontakte, Kontakte und darum, dranzubleiben. Außerdem ist kollegialer Austausch und Netzwerken für Freie unerlässlich“.

„Is’ mir egal, ich lass das jetzt so“


„Nach dem Studium hat sich niemand mehr für meinen Lebenslauf interessiert. Viel wichtiger sind Referenzen und Soft Skills“, sagt Ditschke. Zu diesen gehören Sorgfalt, der Blick fürs Detail und Feingefühl: „Man darf nicht über die Stimme eines Autors hinwegwalzen.“ Deshalb sollte ein*e Lektor*in ein hohes Maß an Empathie und Diplomatie besitzen, um einfühlsam für Textlösungen argumentieren und sachlich mit Konflikten umgehen zu können. Zwar ist ein gesunder Perfektionismus wichtig, jedoch sollte man auch loslassen können. „Beim Lektorieren von Texten kann man endlos weitermachen. Es gibt immer etwas, was man noch verbessern kann.“ Um sich in solchen Situationen selbst zu stoppen, trägt sie dann ihr selbsternanntes Lektorats-T-Shirt mit der augenzwinkernden Aufschrift: „Is’ mir egal, ich lass das jetzt so“.

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