Jede Erfahrung zahlt sich aus – Anna Louisa Duckwitz über ihre Arbeit als Lektorin

Duckwitz im Gespräch (Foto: Carsten Vogel).

Von Lucy Luisa Henningsen und William David Laße.

Wie wird man Lektorin? Welche Rolle spielt KI im Verlag? Wie punktet man im Bewerbungsverfahren? Darüber spricht Anna Louisa Duckwitz im Interview. Sie arbeitet als Lektorin und Projektleiterin beim Hölker Verlag, einem Imprint des Coppenrath Verlags in Münster.

Sie haben Germanistik, Anglistik und Kulturpoetik an der Universität Münster studiert. Würden Sie rückblickend sagen, das war der richtige Weg für Ihren heutigen Beruf?

Louisa Duckwitz: Ja, ich würde dasselbe wieder studieren. Ich merke aber, dass beim Büchermachen viel mehr dahintersteckt als Text – zum Beispiel Fragen zu Papierstärke und Design oder ob Zahlen mit oder ohne Serifen gedruckt werden. Das war mir vorher nicht klar, dafür wäre ein Design-Studium bestimmt nützlich gewesen.

Würden Sie trotzdem sagen, dass Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen für Ihre jetzige Arbeit hilfreich waren?

Duckwitz: Auf jeden Fall! Manche Studieninhalte braucht man natürlich häufiger als andere. Ich hätte nicht gedacht, wie wertvoll meine Erfahrungen später einmal sein können. Irgendwie hat sich alles ausgezahlt, selbst mein Nebenjob in einem Café. Sogar einige Praktikumsinhalte konnte ich einbringen, beispielsweise das Thema eines Vortrags bei der HDI Versicherung. Das habe ich später bei uns im Marketing gut gebrauchen können.

Während des Studiums wussten Sie lange nicht, in welche berufliche Richtung Sie gehen wollen. Wie haben Sie das herausgefunden und was würden Sie Studierenden in der gleichen Situation empfehlen? 

Duckwitz: Man muss sich ausprobieren – und vielleicht auch in Berufe reinschnuppern, die einen zunächst einmal nicht besonders ansprechen. Auf diese Weise kann man auch Bereiche entdecken: kleine Schätze, von denen man nicht wusste, dass sie existieren. Ich habe auch erst durch verschiedene Praktika gemerkt, dass ich Bücher machen möchte. Das hat eine Leidenschaft in mir geweckt, die ich so – vor allem als Berufsmöglichkeit – nicht gesehen hatte.

Haben Sie durch den Beruf die Freude daran verloren, in Ihrer Freizeit zu lesen?

Duckwitz: Am Anfang hatte ich davor Angst, aber das ist bei mir überhaupt nicht so. Und ich habe bisher auch noch niemanden getroffen, der wegen seines Jobs in der Buchbranche aufgehört hat, privat zu lesen. Natürlich gibt es Abende, an denen ich nicht zum Buch, sondern zur Fernbedienung greife und denke: Hoffentlich kommt irgendeine Reality-TV-Serie. Aber das hat ja jeder mal. 

Das Thema Künstliche Intelligenz findet zunehmend den Weg in sämtliche Berufe. Inwiefern könnte KI in den kommenden Jahren die Jobchancen in der Verlagsbranche beeinflussen?

Duckwitz: Ich glaube, dass es immer einen Menschen geben muss, der die Stränge in der Hand hält – gerade in der Buchbranche. Das ist etwas anderes, als zum Beispiel einen Chatbot nach den Zugabfahrtszeiten zu fragen. Wir kreieren Bücher, in die Menschen ihr ganzes Herzblut stecken und deren Entstehung teilweise Jahre früher in den Köpfen der Autor:innen beginnt.

Wie verhält sich der Hölker Verlag zum Thema KI? 

Duckwitz: Wir lehnen KI-Inhalte in unseren Büchern ab. Die jahrelange Zusammenarbeit mit externen Mitarbeiter:innen aus Bereichen wie Fotografie, Design und Text ist für uns einfach zu wichtig, um hochwertige Bücher auf den Markt zu bringen. KI bringt außerdem viele Unsicherheiten mit sich: Wer ist Urheberin? Die Autorin oder die KI? Auf diese Diskussion wollen wir uns nicht einlassen. Hinter unseren Büchern stehen immer reale Menschen. Klar, KI gibt mir die Möglichkeit, Bücher sehr viel günstiger zu erstellen, aber das wäre dann eine Hülle ohne Inhalt. Ich traue den Leser:innen zu, den Unterschied zu erkennen. Die meisten Leute möchten Bücher und Dinge, die von Menschen gemacht wurden und die Gefühle transportieren. Es ist unsere Pflicht als Verlag, das zu unterstützen.

Haben Sie abschließend noch einen Tipp, wie man es in die Verlagswelt schafft?

Duckwitz: Ich würde empfehlen, seine Leidenschaften nicht aufzugeben. Mir ist eine Bewerberin in Erinnerung geblieben, die in ihrer Freizeit Foto-Collagen erstellt. Da bin ich sofort total neugierig geworden. Wenn von drei Leuten, die schon Praktika in Verlagen gemacht haben, eine dazu noch ein spannendes Hobby hat, macht das im Zweifelsfall den Unterschied.