Sven Lohmeier: Ein Germanist in der agilen Arbeitswelt des E-Commerce

Für seine Arbeit im digitalen Bereich braucht Lohmeier eine ordentliche Portion Schlagfertigkeit (Foto: Carsten Vogel).

Von Annejule Passek.

Wenn Sven Lohmeier über seinen Arbeitstag spricht, dann mit ganzem Körpereinsatz. Es hält ihn nicht lange auf seinem Stuhl, sondern zieht ihn zur Präsentation, die der Beamer auf die Wand projiziert. Mit seinen Händen erklärt er die agile Arbeitsmethode, die seine Firma nutzt, um die Projekte seiner Kunden voranzubringen. 

Lohmeier hat Linguistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld studiert. Nun arbeitet er im Bereich E-Commerce. Präziser: Er ist Unit Director Enterprise Commerce beim Multimediahaus hmmh in Bremen. “In dieser agilen Arbeitswelt gibt es eine 14-tägige Taktung, die uns den Vorteil verschafft, bei den jeweiligen Projekten unserer Kunden auch noch nachjustieren zu können”, sagt der 51-Jährige, der 2004 als Projektmanager bei seiner Firma angefangen hat.

Ein gewisses Maß an Schlagfertigkeit

Ein Blick in seinen Terminkalender zeigt einen fein strukturierten Arbeitstag mit vielen “Halbe-Stunden-Blöcken” und Kundenterminen, Meetings und Absprachen. Das Berufsfeld E-Commerce gibt es dabei schon deutlich länger als viele denken. Seit 20 Jahren ist hmmh in Deutschland aktiv und hat dieses Feld der Digitalisierung stets weiterentwickelt. Mittlerweile spricht man dort von Connected Commerce und Multi-Channel-Business. Spezialisiert ist die Agentur auf die Konzeption und Entwicklung von Online-Shops. In der Zusammenarbeit mit Kunden bedeutet das oft Fragen- und Diskussionsrunden, die auch mal hitziger werden können: “Diese Termine sind ziemlich aufregend, weil man auf den Punkt seine Performance abliefern muss. Schließlich hängt viel davon ab.” 

Dafür hat sich Lohmeier ein gewisses Maß an Schlagfertigkeit antrainiert. Denn gerade Kommunikation wird in seinem Beruf groß geschrieben. Für ihn selbst ist es “Geistesarbeit”, die sich nicht automatisieren lässt: Es gibt keine Standards, jedes Konzept wird individuell entworfen und verhandelt. Das erfordert sehr viel Interaktion mit Menschen verschiedener Disziplinen wie Programmierung, Konzeption und Management.

Agilität der Projekte

Nicht immer können Termine mit den Kunden persönlich stattfinden, deshalb wird oft online – beispielsweise über Skype – kommuniziert. Auch wenn diese Form der Kommunikation kein persönliches Treffen ersetzen kann, so hat sie doch Vorteile. Zum einen spart man sich den Reiseweg und damit viel Zeit, und zum anderen kann man Dokumente zeitnah präsentieren. Es ist eben wichtig, agil zu bleiben und jederzeit das Vorgehen ändern zu können. 

Bei so einem durchgetakteten Arbeitstag ist es nicht verwunderlich, dass Lohmeier auch mal ein bisschen wehmütig auf seine Studienzeit und die Semesterferien zurückblickt – da blieb mehr Zeit, sich auf einzelne Projekte zu konzentrieren. Jetzt bestimmen neben den großen Aufgaben auch kleine Mini-Tasks den Alltag: das Lesen und Beantworten von Mails, das Zusammenfassen der Ergebnisse aus Meetings. Hier mal Urlaub, Überstunden und Krankmeldungen freigeben, da mal ein Bewerbungsgespräch. 

Eine weitere halbe Stunde plant er jeden Tag ein, um die To-Do-Liste des Teams auf den aktuellen Stand zu bringen. Denn Lohmeier arbeit nie allein, sondern immer in agilen Teams. Das erfordert Kommunikation, damit alle wissen, was zu tun ist. Und trotz seiner digitalen Umgebung bleibt er hier ganz old-fashioned. Seine Liste strukturiert er immer noch mit Post-Its: “Bei diesen Zetteln ist das Charmante, dass man sie nach Erledigung einer Aufgabe zerknüllen und in den Papierkorb schmeißen kann. Das hat etwas Erfrischendes, das macht Spaß.”

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