Von Zufällen, Rückschritten und Chancen – Anna Louisa Duckwitz und Stephanie Bubley über ihre Wege in die Verlagsbranche

Von Iana Lanskaia und Sina Peters.
Vom Kochbuch-Lektorat bis zum New-Adult-Markt, über Praktika bis zur Verlagsleitung: Beim Workshop „Germanistik im Beruf“ geben Anna Louisa Duckwitz und Stephanie Bubley Einblicke in die vielfältigen Arbeitsfelder des Verlagswesens. Dabei berichten sie über aktuelle Entwicklungen in der Verlagsbranche, praktische Erfahrungen und den Einstieg in den Beruf.
Mit viel Liebe zum Detail
Mit offener Ausstrahlung, freundlichem Blickkontakt und lebhafter Gestik nimmt Anna Louisa Duckwitz die Teilnehmer:innen des Workshops mit auf ihren Weg in die Verlagswelt. Ihren Einstieg in die Branche beschreibt sie selbst als reinen Zufall: „Ich hatte Glück, dass ich im Kochbuch-Lektorat des Hölker Verlags einen Praktikumsplatz bekommen habe, weil jemand seinen aufgegeben hat.” Der Glücksfall erwies sich schließlich als Türöffner. Ein Jahr später folgte das Angebot für ein Volontariat beim Coppenrath Verlag – diesmal allerdings in der Geschenkbuch-Abteilung. Neben klassischen Geschenkbüchern entstanden im Laufe der Zeit auch wunderschöne Schmuckausgaben, etwa die Sherlock-Holmes-Reihe oder Bram Stokers „Dracula” – mit ganz viel Liebe zum Detail. „Ich muss diese Bücher so konzipieren, dass sie den Leuten gefallen, die sich besonders dafür interessieren. Und das macht mega viel Spaß!“
2022 kehrt Duckwitz in den Hölker Verlag zurück – dorthin, wo ihr beruflicher Weg begann. Als Projektleiterin übernimmt sie nun deutlich mehr Aufgaben als im Lektorat. Dazu gehören auch mal etwas „trockene” Tätigkeiten wie Datenpflege. Spannender sind da schon die Dienstreisen zu Buchmessen in London oder Frankfurt, um aktuelle Trends im Blick zu behalten. Monoton oder langweilig wird es also nie: „Es läuft immer etwas anders ab, als geplant“, lächelt Duckwitz.
Von der Physik in den Verlag
Erst Physik studieren, dann im Literaturlektorat arbeiten – kein gewöhnlicher Weg in die Berufswelt. Doch für Stephanie Bubley war das Realität: Nachdem ihr Umfeld Bubley davon abgeraten hatte, ihrer Buch-Leidenschaft nachzugehen, entschied sie sich für die Naturwissenschaft. „Ich habe schnell gemerkt, dass mein Herz für einen ganz anderen Bereich schlägt“, erklärt sie. „Ich wollte schon immer Lektorin werden. Ich wusste: Das ist meine Zukunft.“
Aus diesem Grund absolvierte Bubley während ihres Studiums ein Praktikum beim LYX-Verlag, der damals noch aus einem kleinen Team bestand. Sie wünschte sich weiterhin unablässig, Lektorin zu werden – nach ihrem Praktikum gab es allerdings kein freies Volontariat in der Belletristik. Das motivierte Bubley, ihren Horizont zu erweitern und ein Volontariat beim Fachverlag Pearson Studium anzutreten, der sie unter anderem aufgrund ihrer Physikkenntnisse einstellte. „Man muss flexibel sein und auch mal etwas machen, das einem nicht so nahe liegt.“ Dieses Volontariat entpuppte sich schließlich als Bubleys Sprungbrett, das ihr dann doch endlich zu einer festen Stelle als Lektorin bei LYX verhalf. „Praxiserfahrung ist meiner Meinung nach das Entscheidende“, so Bubley. „Erst dadurch merkt man, was einem gefällt. Außerdem kann man Kontakte knüpfen.“
Seit 2025 arbeitet Stephanie Bubley als Verlagsleiterin bei LYX und ONE, den Imprints von Bastei Lübbe. Inzwischen hat sich LYX als Marke etabliert und setzt vor allem auf das gemeinsame Wachsen mit der New-Adult-Community. Im Bereich Diversity sieht Bubley allerdings noch Verbesserungspotenzial: „Wenn man sagt, man will für eine Community da sein, dann muss man auch für alle da sein. Da müssen wir noch viel repräsentativer werden.“
Anna Louisa Duckwitz und Stephanie Bubley erzählen im Workshop von Rückschritten, Zufällen und Chancen. Auf diese Weise verdeutlichen sie, wie unterschiedlich Wege in den Verlag sein können. Mal führen sie über Geschenkbücher, mal über Lehrbücher für Experimentalphysik. Dabei betonen beide immer wieder, dass praktische Erfahrung das Wichtigste sei – und dass man immer auch über den Tellerrand hinaus schauen sollte.




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