„Rosa ist nichts, wogegen ich mich wehren möchte“ – Stephanie Bubley über LYX, Lektorat und „New Adult”

Stephanie Bubley ist Verlagsleiterin von LYX und ONE, zwei Imprints der Bastei Lübbe AG (Foto: Carsten Vogel).

Von Charlotte Klatt, Frida Witt und Ida Timmers. 

LYX hat ein breites Programm im New Adult-Bereich: von Romantasy bis Dark Romance. Gerade das letztgenannte Genre sorgt immer wieder für öffentliche Kritik. Wie geht man als Verlag damit um?

Stephanie Bubley: Wir nehmen Kritik ernst, sehen aber auch die große Community, der dieses Genre total viel gibt. Deshalb finde ich es schade, wenn dadurch auch Leser:innen in eine bestimmte Ecke gedrängt werden. Bei LYX ist es uns wichtig, eine klare Haltung einzunehmen. Also zu wissen, was zu uns passt und wo unsere Grenzen liegen.

Einer der Kritikpunkte betrifft die Covergestaltung: rosa, blumig,stereotypisch weiblich” – warum entscheidet sich LYX bewusst dafür?

Bubley: Es ist ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man Dinge schön verpackt. Nur weil Rosa stereotypisch für Weiblichkeit steht, ist das per se nichts, wogegen ich mich wehren möchte. Wenn wir uns nur deshalb bewusst gegen die Farbe entscheiden, dann lassen wir uns genau von diesen Stereotypen diktieren, was wir zu mögen haben. Unsere Bücher sind von Frauen für Frauen. Wir müssen nicht das ändern, was viele junge Frauen ästhetisch finden. Ich liebe Rosa auch und ich finde, das ist überhaupt nichts Schlimmes.

Was bedeutet es für Sie persönlich, einen Verlag zu leiten, der Bücher von Frauen für Frauen verlegt?

Bubley: Das hat für mich viel mit Empowerment zu tun. Wir geben jungen Frauen einen Raum, um sich zu entfalten. Das betrifft nicht nur die Autorinnen, sondern auch mein Team, in dem viele junge Mitarbeiterinnen kreative Ideen entwickeln. Außerdem ist der Hype um diese Genres durch weibliche Communities wie zum Beispiel auf BookTok geprägt. Das ist eine wichtige Entwicklung, die Frauen eine Stimme gibt.

Wonach wählen Sie bei LYX Manuskripte aus?

Bubley: Die Auswahl der Manuskripte ist sehr subjektiv. Unseren Volontär:innen sagen wir: Wenn du mitgerissen bist, dann ist da wahrscheinlich was dran. Dazu kommt dann noch: Passt die Geschichte zu uns – ist sie lyxig? Es kann auch mal vorkommen, dass man als Lektorin etwas ablehnt und genau dieses Buch total erfolgreich wird – das ist zwar bitter, gehört aber zum Job dazu.

Bietet LYX Praktika an? Was sollte man in diesem Fall mitbringen?

Bubley: Praktika schreiben wir regelmäßig aus. Wichtig ist, dass aus der Bewerbung klar wird, ob es eine Affinität zu den Themen unserer Bücher gibt. Auf jeden Fall ist es von Vorteil, wenn man ein geisteswissenschaftliches Fach studiert. Besondere Vorerfahrungen muss man aber keine mitbringen.

Wie sieht ein Praktikum im Lektorat aus?

Bubley: Praktikant:innen sind bei vielen Terminen dabei. Dazu gehören die Leserunde, bei der über Manuskripte entschieden wird, und die Coverrunde, in der wir über die Gestaltung der Bücher diskutieren. Dadurch bekommt man einen sehr guten Einblick in die tägliche Arbeit als Lektor:in.

Wie realistisch ist der Berufseinstieg direkt ins Lektorat?

Bubley: Ich glaube, man sollte sich nicht zu sehr darauf versteifen, direkt ins Lektorat zu kommen. Wer erstmal in einer anderen Abteilung anfängt, hat im Verlag schon den Fuß in der Tür. Es gibt mehr Möglichkeiten, als man denkt.