Definition: Kritik

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Von Janosch Sindermann.

Kritik bezeichnet die Fähigkeit und Praxis des begründeten Urteilens. Der Begriff geht auf das altgriechische Verb krinein zurück, das „unterscheiden“, „entscheiden“ oder „urteilen“ bedeutet. Kritik beruht also auf der reflektierten Prüfung eines Gegenstandes anhand nachvollziehbarer Maßstäbe. Sie ist damit nicht einfache Zustimmung oder Ablehnung, sondern eine analytische Tätigkeit, die Beschreibung, Bewertung und Einordnung miteinander verbindet. Von der Kritik abzugrenzen ist die Polemik, die sich durch Zuspitzung, Angriff und rhetorische Schärfe kennzeichnet. Polemiken verfolgen weniger das Ziel einer ausgewogenen Urteilsfindung als vielmehr die Durchsetzung einer Position. 

Historisch ist Kritik eng mit der Entwicklung bürgerlicher Kultur verbunden. Seit dem 18. Jahrhundert bildet sie ein zentrales Element öffentlicher Selbstverständigung: In Zeitschriften, Feuilletons und wissenschaftlichen Foren werden kulturelle Werke und gesellschaftliche Fragen kritisch verhandelt. Als konkrete Form öffentlicher Kritik hat sich dabei die Rezension etabliert. Heute sind vor allem Literaturkritiken, Film- oder Serienkritiken sowie wissenschaftliche Rezensionen gängig. Rezensent:innen beschreiben und analysieren Werke, ordnen sie in größere Zusammenhänge ein und bewerten sie anhand inhaltlicher und ästhetischer Kriterien. Sie tragen so wesentlich zur kulturellen und wissenschaftlichen Kommunikation bei und machen Kritik als reflektierte Praxis sichtbar und wirksam.

Im Zeitalter der Digitalisierung entwickelt sich eine neue Praxis gesellschaftlicher Bewertung: Qualitative Urteile werden zunehmend von quantitativen Bewertungssystemen wie Likes oder Sternen abgelöst. Damit verschiebt sich Kritik teilweise von argumentativer Auseinandersetzung hin zu numerischer Evaluation.